Tag von Potsdam

Notiz zum postsozialistisch-kapitalistischen Realismus //

Die Vielfalt der Schichten, der der architektonischen, der historischen, ist selten dominant wie in Potsdam. Die Potsdamer Vielschichtigkeit ist ein Kuriosum, ästhetisch, politisch.

Esther Slevogt erkennt in ihrer Kolumne „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ dreißig Jahre nach „der Herstellung der Einheit Deutschlands“* in Potsdam den „traurigen Vorgang, dass sich eine Handvoll westdeutscher Oligarchen der Stadt und ihrer Geschichte bemächtigt hat.“ Für das Hohenzollernerbe trifft das zu, ein Preußendisneyland im Schatten des Schutthaufen Berlin, wo vom Havelufer aus noch immer Schrebergärten den Blick auf Neu-Sanssouci verstellen.

Brecht spricht vom zerschossenen Berlin als „Radierung Churchills nach einer Idee Hitlers“. Von Potsdam kann man sprechen als einer Gouache bezahlt von Hasso Plattner nach einer Idee von Helmut Kohl, ausgeführt von Bauarbeitern aus Polen.

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