Kino

WOCHENSCHAU

Paradies Archäologien

Wir flohen das ausgefahrene Trümmerfeld des Alltags in den Jahren, Jahrzehnten noch, nach den Kriegen, landeten am Bahnhof an, meistbietende Umschlagstelle der Realitäten, die offiziell zu haben waren, die sich, unerwachsen wie wir waren, verstörend vielfältig und widersprechend entfalteten in uns, durchstreiften die Stadt, gingen ins Kino, nochmal ins Kino, landeten wieder am Bahnhof an, von wieder anderen Lichtspielen gelockt, die aus den S-Bahnbrückenbogen strahlten, strandeten, wo die 24-Stunden-Kinos für 1 Mark Eintritt bis zu zehn Filme garantierten, 15 Minuten DER AUGENZEUGE („Sie sehen selbst, Sie hören selbst, urteilen Sie selbst!“) pro Film dazwischen zwangswillig, ohne den gabs nichts, ohne den ging nichts, den Rest dann dafür rund um die Uhr, Tag, Nacht, nur wußten wir nicht, in welchen Film wir grade kamen, aus welchem wir entlassen würden, wenn die Kontrolldame kam oder man selbst nicht mehr konnte, und man sich entließ in eine Wirklichkeit, die anders schien jedesmal nach dem Kino, aber auch das war Teil der unausgesprochenen Verabredung, die man mit sich bzw. dem Leben hatte: Ich gehe ins Kino = ich verlasse die Realität, die ihr Wirklichkeit nennt, und begebe mich in die Überrealität der Fiktion, also der Kunst, und wenn es am Bahnhof ist in einem stinkenden Loch aus Licht und Schatten, ihr könnt mich.

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