Tag 21

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Die Stadt ist leer

Der Wind weht

Alles wackelt

Nur die Statuen nicht ©

Irgendwann im Frühjahr 2006 fuhr ich mit dem Fahrrad die Prenzlauer Allee Richtung Alex runter. Ich weiß nicht mehr, ob es vor oder nach einem dieser Stürme war, die wir heut mit Sicherheit der Erderwärmung zurechnen würden, jedenfalls waren dieses Fahrrad und wir, mein Sohn und ich, die einzigen, die die Prenzlauer an diesem Nachmittag auf der linken Seite entgegen der Fahrtrichtung auf dem Radweg fuhren. Als wir am Friedhof (St. Marien u. St. Nicolai I) vorbeikamen, den man über die Baulücke hin da noch einsehen konnte, rief mein Sohn von vorne aus dem Kindersitz, „Papa, ich glaub, ich hab jetzt ein Gedicht gemacht“.

In meiner Erinnerung blies der Wind unglaublich, röhrte fast, und der Regen trommelte.

„Kannst dus aufschreiben?“

„Kann ich nicht, wir fahrn so schnell und ich muß lenken …“

„Dann sag ichs dir.“

„Ja, sag mal bitte“, brüllte ich.

Und dann rief er Zeile für Zeile genau das, und ich hab es mir bis heute gemerkt. Nicht dass es mir jetzt erst wieder eingefallen ist, das nicht, aber wann hätte es besser gepasst.

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