Tag 52

Wir waren in der METRO Ostbahnhof, wir dachten, alles, was so groß ist, wär auch billig. Wir hatten viel zu viel gekauft, die Kinder dummerweise mitgenommen, und standen mit den METRO-Einkaufstüten in diesem Binnenspeckgürtel wie Unfallopfer an der Autobahn. Es schneite ausnahmsweise, kein Bus fuhr, dunkel war es schon lange.

 

Wir waren die letzten an der Kasse gewesen, 22 Uhr, und als wir draußen waren, sahn wir, dass die Kinder ohne Jacken waren. Ich rannte zum Eingang zurück, an dem schon niemand mehr war. An der Glastür klebte die Nummer vom Sicherheitsdienst, und nach zehn Minuten kam jemand, der uns die Jacken holen ließ.

 

Die Haltstelle zeigte Linie 142 an, unser Bus im Prinzip, der aus irgendeinem Grund aber nicht fuhr. Das Bargeld war alle, ein Taxi wäre für uns, Eltern, vier Kinder, sechs bis sieben Taschen, sowieso zu klein gewesen. Da räusperte sich ein Motor im Dunkeln und ein Bus ohne Licht innen schwappte vorbei. Er bremste lässig, die Tür ging auf, aber nur die, wo einzusteigen per Gesetz verboten ist. Ein älterer Herr, Lesebrille, sah uns an.

 

– Wo wollt ihr denn hin?

– Nachhause, blökten die Kinder.

– Am Friedrichshain, sagte ich. Ist doch der 142er, oder?

– Schon, fährt aber nicht von hier.

– Ach. Von wo denn?

– Andre Seite, Ostbahnhof.

Wir sahen uns an, ich zuckte mit den Schultern, meine Frau begann die Taschen anzuheben. Da ging das Licht an.

– Na los, steigt ein. Wo müßt ihr hin?

– Märchenbrunnen, sagte ich, halb fragend.

Er nahm die Brille ab und grinste.

– Ausnahmsweise. Ich hab Feierabend.

 

Und fuhr los. Er machte nur für uns das Taxi, warum weiß keiner. Er hielt erst am Märchenbrunnen wieder und er war so nett, dass ich mich nicht mal getraut hatte, nach Fahrkarten zu fragen. Es war die unverbindlichste Reise in der Stadt, die wir je hatten.

Schlagwörter: