Tag 5

Städte sind Schlachtfelder, sagt Walter Benjamin bei der Lektüre von Brechts LESEBUCH FÜR STÄDTEBEWOHNER. Die Stadt ist umkämpft, man sie sich erobern. Hier leben, heißt sich Lebensraum erkämpfen, und sei es zuletzt gegen die Bürokratie. Ob unter der Brücke oder im Townhouse, ob sozialer Wohnungsbau, Eigentumswohnung, Haus an der Stadtautobahn und sonstwas dazwischen, was erkämpft ist, wird verteidigt. Und im Innern, drinnen, geht es weiter, wenigstens bei denen, die es haben. Die Etuimenschen, wie Benjamin sagt, die im Etui wohnen, im Futteral, die sich eingerichtet haben, die wollen bleiben. Einrichtung ist Ausrichtung, die elektronische Fußfessel der Wiedererkennbarkeit. Wohnen als Statusausweis – das hat lange gestimmt. Stimmt für die Mehrheit immer noch. Aber es reicht nicht. Es reicht nicht, zuhause, bei sich, bei sich zuhause zu sein. Es reicht denen nicht, die draußen – Draußen, das wir Freiheit nennen und womit wir Freiraum meinen – etwas ändern, in Bewegung halten wollen; denen, die gestalten wollen, reicht es nicht, und nur wer denkt, kann das tun. Wer denkt, der deutet, und im Ballungsraum der Deutungshoheit – der Stadt – geht es ohne Denken nicht. Die Stadt ist deren Wohnung, die sie denken.

 

§ 1 Absicherungsgesetz: Berlin kannste nich erobern, in Berlin kannste dir höchstens behaupten.

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