Tag 26

Schloß im Himmel (4)/

Seit meiner Geburt, besagt die Statistik des Deutschen Wetterdienstes, hätte es zehn verschneite Weihnachten in Berlin gegeben, zehn (10) Jahresenden unter Schnee, nicht mehr. Gerechnet von 1963, meinem Geburtsjahr an, ist das weniger als ein Fünftel meiner Lebensjahre, und ausgerechnet jetzt, während ich die Nachricht lese, fällt draußen zum erstenmal in diesem Jahr etwas wie Schnee. Mein kleiner Sohn rennt hin und her zwischen den Fenstern, Hofseite, Straßenseite, schreit SCHNEE, versucht sich seinen Schneeanzug überzuziehen, versucht in die Stiefel zu kommen, versucht seine Freundin, die im Haus wohnt, zu rufen, und als endlich die Schuhe zugebunden sind, er endlich die Treppe runterrennt, endlich mit (Name geändert) unten im Hof angekommen ist, haben sich die letzten Flocken in Tropfen verwandelt, und was vom Himmel fällt, sieht gegen das trübe Mittagslicht besehen aus wie Ascheflocken, schwarz vor Grau. Wie traurig, denke ich, während die Kinder im Schneematsch matschen und die fliegenden Aggregatzustände mit Händen zu greifen versuchen, und immer noch SCHNEE brüllen und lachen, am 26.12. 2020 zwischen 12 und 13 Uhr.

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