Kontainer

„Wenn Sie einem jungen Menschen eine herzlose und bösartige Strafe auferlegen wollen, verpflichten Sie ihn, ein Jahr lang Tagebuch zu führen.“

 

Mark Twain, Die Unschuldigen im Ausland

Wenn alle drinnen sitzen, sitzt sie draußen. Das, soweit ich mich erinnern kann, seit – ich kann nur ein Jahr ungefähr schätzen. Sie lebt auf der Straße, der Greifswalder, in den freien Nischen verlassener Geschäfte. Auf Schaufensterbänken. Die Straße ist lang. Die Winter sind warm, aber es sind immer noch Winter.

Sie hat sich, uns gegenüber, an der Straßenecke eingerichtet, ihren Haushalt dazu. Manchmal läßt sie ihn, im Einkaufswagen in Müllsäcke verpackt, zurück und hält sich anderswo auf

Neulich saß ich im Bus Nummer M29, auf dem Weg von Kreuzberg nach Charlottenburg. An der Kreuzung zur Friedrichstraße stieg ein Soldat ein. Ich sah ihn zuerst von meinem Platz am Fenster der oberen Etage aus einsteigen und war spontan irritiert von der Uniform: Obwohl es sich offensichtlich nicht um die der Bundeswehr handelte, kam sie mir bekannt vor. Der Mann kam die Treppenstufen herauf und setzte sich in die Sitzreihe neben mir

Die erste wirkliche Tragödie einer Beerdigung, nicht meine eigene, sondern eine, die mich als Verwandte betraf, geschah, als ich sechs Jahre alt war. Meine Tante, sie war plötzlich tot. Die Familie organisierte die Beerdigungszeremonie. Oleg, mein Cousin, ihr Sohn, ein Junge in meinem Alter, spielte neben dem Sarg, ohne zu wissen, was vor sich ging. Ein schrecklicher Moment des Bewusstwerdens kam, als der Sarg in das Grab gesenkt wurde

Tegel wird für immer mein erstes Einflugstor nach Deutschland sein. Es war meine erste Reise nach Berlin, meine erste Reise nach Europa überhaupt. Ich erinnere mich kaum an den Tag der Abreise, ebenso wenig wie an die Tage oder gar Wochen davor. Ich habe von morgens bis abends etwas unternommen, irgendwas, mit meinen Kindern, es sind drei, kaum geschlafen