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Heike Grebin / Daniel Schröder / Andreas Trogisch

CROSSING CIRCLES


Interaktive Videoprojektion einer p5.js-Anwendung auf Basis der Ampelschaltung des Potsdamer Platzes, 2020,
3 x 3 m

portfolio

Die Signale der Ampelschaltung auf dem Potsdamer Platz beeinflussen den visuellen und akustischen Rhythmus der Installation «Crossing Circles». 1924 stand hier, auf dem damals verkehrsreichsten Platz in Europa, die erste Ampel Deutschlands. Das unbändige Leben der Großstadt wird durch modernste Technik reguliert. Die Ampel wird im wahrsten Sinne zu einer ‹Lichtgestalt› der Moderne. Und sie ist ein früher Protagonist, ein Pionier in der gerade sehr aktuellen Erzählung über die Hassliebe von Mensch und Maschine – der Regulierung des gesellschaftlichen Lebens durch Technik – als Verheißung, Alltag, aber auch als Fluch des Fortschritts.

 

«Crossing Circles» transformiert die Daten der ‹Lichtsignalanlage Potsdamer Straße/Ebertstraße/Stresemannstraße›, wie sie korrekt heißt, in ein audiovisuelles Erlebnis, das nur noch entfernt seinen Ursprung und damit konkrete Informationen preisgibt, dafür aber zum Spielen – «einer zwanglosen komplexen Betätigung, bei der der Lustgewinn im Vordergrund steht» (openthesaurus.de) – einlädt. Das Design zitiert bewusst nicht die sphärischen Dimensionen digitaler Ästhetiken, sondern die zweidimen sionalen, fein komponierten Arbeiten der Grafikdesigner und Künstler der Nachkriegsmoderne wie Karl Gerstner, Herbert W. Kapitzki oder Anton Stankowski, die die Aufgaben des Designers mit denen des Ingenieurs verglichen: «Überall dort, wo Entwicklungs- und Herstellungsprozesse zu einem Endzustand geführt werden sollen und mehrere Elemente und Anordnungsmöglichkeiten vorhanden sind, kann von Programmen gesprochen werden.»

Heike Grebin


kam als studierte Architektin auf Umwegen zum Grafikdesign. Sie ist Professorin für Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg mit dem Schwerpunkt Typografie. Gemeinsam mit Andreas Trogisch betreibt sie das berliner Studio Troppo Design. Der Fokus ihrer Lehre liegt auf typografischen Informationssystemen im Kontext sozialpolitischer und technologischer Prozesse. Heike Grebin untersucht die Schnittstelle von klassischer und datenbasierter Gestaltung. Sie betreibt die Plattform für parametrisches Gestalten im Grafikdesign «Play the System»
www.play-the-system.xyz

 

Daniel Schröder


geboren 1989 in Lichtenstein/Sachsen, lebt in Hamburg und arbeitet als freischaffen der Grafikdesigner. Nach einem Studium der angewandten Sprach- und Kulturwissenschaften an der Universität Mainz mit dem Schwerpunkt Filmanalyse öffnete sich ihm die Welt der Gestaltung. Zurzeit studiert er Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg und erforscht das Potential generativer Gestaltung durch parametrisierte Daten.

Andreas Trogisch


geboren 1959 in Riesa/Elbe, beschäftigt sich seit 1982 intensiv mit dem Medium Fotografie. Er studierte Grafik-Design bei dem Maler Bodo Müller und dem Fotografen Manfred Paul an der FWG Berlin-Schöneweide. 1989 war er Gründungsmitglied des Ostberliner Grafik-Design-Studios «grappa» (heute «Troppo Design»); bis heute ist er als Buchgestalter und Fotograf tätig. Daneben arbeitet er als Gastdozent u.a. an der UdK Berlin, der HAW Hamburg oder der Ostkreuzschule Berlin.

Wir danken der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Firma Schlothauer & Wauer Gesellschaft für Straßenbau mbH für die Bereitstellung und Aufbereitung der Daten.